Das Nana-Projekt

Das Forum Wohnenergie wurde 2017 mit einer Quartierssanierung auf Kreta beauftragt. Bei diesem Quartier handelt es sich im Wesentlichen neben diversen Nebengebäuden, um fünf Apartments und ein Gästehaus mit einer gesamten Nutzfläche von über 300 m² und entsprechenden Freiflächen an einem Berghang. Diese Gebäude wurden in „moderner“ Bauweise vor etwas mehr als zehn Jahren errichtet und jeweils mit Heizkörper und Klima-Split-Geräten ausgestattet. Der Energiebedarf – nicht zuletzt für die Gebäudekühlung – ist sehr hoch.

  • Baukonstruktion (thermische Hülle)

Die baukonstruktiven Optimierungsmaßnahmen dieser Sanierung umfassen vorwiegend die Verbesserung des Wärmeschutzes, insbesondere des sommerlichen Hitzeschutzes, wovon auch der winterliche Wärmeschutz profitieren soll. Ziel ist es, nicht nur die Kühllasten, sondern auch die Heizlasten, durch rein bauliche Maßnahmen (z.B. Erhöhung der Phasenverschiebung in den Aufbauten von Bauteilen) zu reduzieren. Hierfür sollen ökologische und regional verfügbare Baustoffe und -materialien verwendet werden.

  • Anlagentechnik (Heizen und Kühlen)

Hinsichtlich der bestehenden Anlagentechnik handelt es sich um eine kleine Nahwärmeversorgung für Raumwärme und Warmwasser, sowie um mehrere dezentrale Klima-Split-Geräte in und an den Gebäuden zur Kühlung im Sommer. Die Nahwärmeversorgung besteht aus einer großen Solarthermie-Anlage und einen Heizöl-Zentralheizungskessel. Die solarthermischen Erträge werden bislang allerdings nur für die Trinkwassererwärmung genutzt. Die Wärmeübertragung an den Raum erfolgt bislang über Konvektions-Plattenheizkörper. Die bestehende Steuerungs- und Regelungstechnik ist ineffizient.

  • Sanierungsstrategie

(Solarthermische Optimierung/Wärmebereitstellung) Der erste Schritt soll sein, durch geringinvestive Maßnahmen eine solare Heizungsunterstützung für die Gebäude (Konvektions-Plattenheizkörper zu realisieren und die Steuerungs- und Regelungstechnik (Sensorik, Anpassung der Heizkennlinie, etc.), sowie die Anlagenhydraulik zu optimieren. In diesem Zusammenhang erfolgte bereits eine Leistungsbestimmung der installierten Heizkörper. Im Weiteren wird die reale Heizlast und Kühllast ermittelt, sowie die Bauteile gemäß ihrem Schichtenaufbau und der Ausrichtung der Gebäude untersucht.

(Optimierung der Wärmeübergabe/Wohnwärmegestaltung) In einem zweiten Schritt soll geprüft werden, welche Systeme der Flächenheizung/-kühlung anstelle der bestehenden Heizkörper energetisch und ökonomisch zielführender sind. An dieser Stelle wird die Flächenheizung/-kühlung als Bindeglied von Baukonstruktion und Anlagentechnik betrachtet um im Weiteren durch die thermische Aktivierung von Bauteilen auch Bereiche der Innenarchitektur zu betrachten.

  • Das wohltemperierte Haus

Der Fokus liegt zuerst aufgrund der Bestandssituation auf einer Flächenheizung/-kühlung an Wand und Decke, aber auch auf dem Fußboden. Es werden auch Kombinationen geprüft, sowie unterschiedliche Varianten in den einzelnen Apartments. Zielsetzung ist eine maximal niedrige Vorlauftemperatur im Auslegungsfall.

Die anlagentechnische Optimierung wird also – wie es im Forum Wohnenergie üblich ist - immer im Kontext der Baukonstruktion betrachtet. Dementsprechend werden in diesem Sanierungskonzept der Wärme- und Hitzeschutz gleichermaßen in Varianten und Kombinationen betrachtet, sowie Maßnahmen untersucht, die sowohl den Heiz- als auch den Kühlbedarf bereits baukonstruktiv reduzieren. Die Integration von Systemen der Flächenheizung/-kühlung verfolgt zwei wesentliche Zielsetzungen:

  1. Den solaren Anteil zur Heizungsunterstützung durch ein Niedrigtemperatursystem (Flächenheizung/-kühlung, thermische Bauteilaktivierung) zu erhöhen, und
  2. Den systemischen Doppelnutzen der Flächenheizung/-kühlung dergestalt auszuschöpfen, dass über eine Kühlfunktion im Sommer, die Betriebsstunden der Klima-Split-Geräte deutlich reduziert, bzw. in Kombination mit baukonstruktiven Ertüchtigungen, sogar überflüssig gemacht werden.
  • Umsetzung und Dokumentation

Die Umsetzung und Realisierung des Sanierungskonzeptes wird durch das Forum Wohnenergie begleitet. Dabei steht die Integration von kretischen/griechischen Handwerkern, sowie die Förderung von Jugendlichen im Vordergrund.

Die Umsetzung wird in modularen Abschnitten stattfinden, wo aufgrund von Gebäuden-Analogien auch die Möglichkeit besteht, unterschiedliche Ansätze umzusetzen und miteinander zu vergleichen. Trotz der unterschiedlichen Klimazone, können die Erkenntnisse und Ergebnisse dieses Projekts durchaus in anderen Ländern, auch in Deutschland, angewendet werden.

  • Partizipation

Das Forum Wohnenergie lädt alle Interessierten ein, an diesem Projekt teilzuhaben und veranstaltet in diesem Sinne im Jahr 2018 Workshops, sowohl zur Konzeptentwicklung, als auch zur Umsetzung mit kretischen/griechischen Handwerkern vor Ort. Ebenso kann dieses Projekt im Rahmen unserer „Bildungsreisen 2018“ kennen gelernt werden.

Für weitere Informationen richten Sie bitte eine E-Mail an hartmann@forum-wohnenergie.de